Was haben „ausschwitzen“ und ein alarmierender Brief gemeinsam?

„Um zwölf Uhr ist es Sommer“
Ausstellungsrundgang & Workshop für Erwachsene
Bank Austria Kunstforum

Nächste Termine: 15. Dezember 2017, 19. Jänner 2018, jeweils 17:30 Uhr

Gestartet wird mit einem kurzen gemeinsamen Rundgang durch die Ausstellung „Gerhard Rühm“ (20 Minuten), bevor es zum Kreativpart ins Atelier geht.

Bereits beim Ausstellungsrundgang ist das aktive Engagement der Teilnehmer_innen gefragt: per Zufallsgenerator werden Duos gebildet, die je zwei Arbeiten Rühms auf versteckte Gemeinsamkeiten hin vergleichen sollen. Dabei kommt von der Vermittlerin immer wieder der Hinweis, nicht formell zu arbeiten (wo es uns immer wieder hinzieht), sondern inhaltlich – ein eher ungewohntes und deshalb umso herausfordernderes Unterfangen, das die Teilnehmer_innen zu analytischen Höchstleistungen anspornt [kein Wunder, denn – Spoiler – es gibt gar keine Gemeinsamkeiten].

Die in fünf Minuten herausgearbeiteten Beziehungen stellen die jeweiligen Arbeiten in individuelle Kontexte und geben ihnen einen ganz neuen Interpretationsrahmen. Das ist für alle Teams extrem spannend und Perspektiven erweiternd. Das Zusammenführen von Menschen durch die Auseinandersetzung mit den Werken ist zudem eine wunderbare Brücke, um die Teilnehmer_innen miteinander ins Gespräch zu bringen und die Gruppendynamik zu fördern. Das ist v.a. deshalb so zentral, da ein Museumsbesuch für sehr viele Menschen ein vordergründig soziales Erlebnis darstellt. Durch die tiefere Betrachtung einiger weniger Arbeiten und die Präsentation der Ergebnisse werden diese zudem schnell in die eigenen kognitiven Strukturen eingewoben. Die Basis für eine nachhaltige Aneignung – also einen Lernerfolg – ist bereitet.

Danach geht’s ins Atelier: dort warteten liebevoll vorbereitete klassische Schulhefte, die es in 20 Minuten mit einer Geschichte zu befüllen gilt: lustig, traurig, kurz, lang, gereimt, in Stichwörtern, ganz nach Vorliebe. Die einzigen Vorgaben: zwei mysteriöse Objekte, die aus einem wunderschönen Intarsienkästchen gezaubert werden, ein gezogenes ungewöhnlich anmutendes Wort – wie z.B. „ausschwitzen“ oder „Königin“ [die Wortwahl wird zu Workshopende gelüftet] und ein Bild aus der Kunstgeschichte sollen in die Geschichte einfließen. Klingt einfacher als man meint.

Alle Geschichten werden zum Abschluss von den Autor_innen vorgetragen und es wird frenetisch applaudiert: sie sind alle ausnahmslos grandios – lustig, traurig, voll schwarzem Humor.

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Nach dem Workshop gibt es noch genug Zeit nochmals durch die Ausstellung zu gehen, den Multimedia Guide zu nutzen, um u.a. Rühm in O-Ton zu lauschen und/oder sich den interaktiven Aktionsstationen mit Handlungsanleitungen zu widmen – wobei interaktiv hierbei in einem analogen Kontext zu verstehen ist – es gibt z.B. eine wunderschöne laut tackernde Schreibmaschine, eine Malstation mit Anleitung und eine Stifte-in-Rechteck-Treff-Station. Analoge taktile sprachliche Interaktionen, die ein spielerisches Eintauchen in die Welt der Sprache über semantische und grafische Annährungen ermöglichen.

Aber auch Anhänger_innen der digitalen Interaktion finden kreative Möglichkeiten: eine Vorlesestation mit Selfie Halterung ermöglicht es, anderen ein indivdiuell vorgetragenes Gedicht Rühms zu senden.

Fazit: ein tolles Format, das fordert, viel Spaß macht, literarische Qualitäten weckt und neue Perspektiven öffnet. Mit einer Dauer von 90 Minuten ist das Programm absolut After-Work und Pre-Aperitivo kompatibel. Und dabei intensiv genug, um in eine andere Welt einzutauchen, die Arbeitswoche hinter sich zu lassen und das Wochenende mit neuen Eindrücke und Ideen zu beginnen.

Dialogpotential: sehr hoch
Aktives Schaffen: ja!
Analog meets Digital: Hands-on, Multimedia-Guide
Stimmung: toll
Zugang: für Kunstneulinge & Expert_innen

Material

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