FKV @ Wien Museum im MUSA

Die Teilnehmer_innen des Forums Kultur Vermittlung durften im September 2019 ein ganz besonderes Projekt kennenlernen: im MUSA, das während der Sanierung Ausstellungen und Kulturvermittlung des Wien Museums beherbergt, stellten uns Irmi Mcguire und Nathaniel Prottas „Das Wien Museum geht in die Schule“ vor.

Mobile Kulturvermittlung

In einer mobilen Ausstellung mit dem Titel „Zusammenleben in der Stadt“ wird eine Woche lang gemeinsam mit Schüler_innen die Geschichte Wiens untersucht. Am Ende der Woche findet eine Ausstellung statt, in der die Schüler_innen eigene Objekte präsentieren und alle Aufgaben vom Einlass bis zu Vermittlungsangeboten übernehmen.

Vier Schwerpunktthemen – Spielen, Essen, Bewegung und Arbeit – werden anhand von Kunstwerken und historischen Objekten erforscht. Die Objekte kommen teilweise als Originale, teilweise als Nachbildungen in die Schulen. So haben die Schüler_innen einen Anreiz, sich dann z. B. die Gemälde in Originalgröße im Wien Museum am Karlsplatz anzuschauen (Eröffnung: 2023). In einem Workshop wird das gewählte Thema vertiefend untersucht.

Wien Museum im MUSA, Atelier

Die Themen sind auf die Altersgruppen zugeschnitten: in „Spielen in der Stadt“ können 1. und 2. Klassen erfahren, wie, wo und was Kinder in Wien früher gespielt haben, welche Einflüsse soziale Unterschiede auf ihre Lebenswelt hatten und  wie sich Spiele und Spielzeug seither verändert haben. Für die selbe Altersstufe ist der Workshop „Was gibt’s zu essen?“ konzipiert: welche Speisen gab es, wo wurde eingekauft? 3. und 4. Klassen bewegen sich in „Jetzt kommt Bewegung in die Stadt“ durch die Wiener Stadtgeschichte, erforschen historische Verkehrswege und Fortbewegungsmittel oder beschäftigen sich in „Wien ist schön, macht aber viel Arbeit“ mit jenen Berufsgruppen, die Wien besonders geprägt und aufgebaut haben.

Der zusätzliche Workshop „Wir machen eine Ausstellung“ unterstützt die Pädagog_innen und Schüler_innen dabei, ihre eigene Ausstellung zu einem der Themenschwerpunkte zu entwickeln: es werden Objekte installiert, Ausstellungstexte verfasst sowie die Organisation der Ausstellung besprochen und geplant. Für Schulklassen, die keine Möglichkeit haben, im Vorfeld eine Ausstellung zu gestalten, hat das Team eine Anleitung für eine „Blitzausstellung“ entwickelt. So kann am Ende der Projektwoche jede Schule eine Vernissage veranstalten und die Familien der Schüler_innen einladen.

Wenn die Schule nicht ins Museum kommen kann… dann kommt das Museum in die Schule!

Das Wien Museum am Karlsplatz wird derzeit erweitert und saniert, was besonders für die Vermittlung eine Herausforderung darstellt: neben den 17 Standorten des Wien Museums, die derzeit in ganz Wien besucht werden können, werden auch Ausstellungen im MUSA gezeigt, das seit 1.1.2018 Teil des Wien Museums ist. Das Vermittlungsteam führt an allen Standorten Programme durch und entwickelt neue Programme für das erweiterte Haupthaus.

Trotz dieser vielen Aufgaben hat sich die Kulturvermittlung zum Ziel gesetzt, noch enger und intensiver mit Schulen zusammen zu arbeiten. Das Projekt „Das Wien Museum geht in die Schule“ entstand während einer einjährigen Planungsphase, an deren Ende ein Probedurchlauf stattfand. Vor, während und nach der Probephase gaben Pädagog_innen Feedback. Die unterschiedlichen Aufgaben wurden im Team und in Gruppen diskutiert und entwickelt.

Unterstützt wurde das Projekt von Basis.Kultur.Wien. Mit der Förderung konnte der Bau der Ausstellung sowie die Konzipierung finanziert werden. Das Wien Museum selbst stellte 70.000 Euro Budget zur Verfügung, eine nicht selbstverständliche Summe für die Kulturvermittlung. Die Bildungsdirektion übernahm die Aussendung an die Schulen, nach zwei Tagen war das erste Jahr ausgebucht.

Wien Museum im MUSA, Atelier

Bewusstseinsbildung für kulturelle Orte

Nachdem der Start geglückt war, ging die eigentliche Arbeit los: Terminvergaben, Schulbesuche zur Information, Auf- und Abbau der Ausstellung, Projektwochen, laufende Wartung der Ausstellung. In einer Schule wurde die abschließende Ausstellung im historischen Gewölbekeller veranstaltet, der sonst nie zugänglich ist. Eine andere Schule wurde gleich als Ganzes in ein Museum umgestaltet, Schriftzug über der Tür und Besucher_innenbefragung inklusive. In einer weiteren Schule war nicht viel Platz, so wurde die Ausstellung der Schüler_innen mit der mobilen Ausstellung kombiniert.

Inzwischen haben die Vermittler_innen einen reichen Erfahrungsschatz und viele wertvolle Erkenntnisse gewonnen: viele der Schulen, die sich anmelden, haben sonst nicht oft die Gelegenheit, in ein Museum zu kommen (sei es, weil sie weit außerhalb liegen oder eine sehr diverse Schüler_innenschaft haben). Für diese Schüler_innen ist die Woche mit der mobilen Ausstellung und den Workshops eine sehr schöne Möglichkeit, kulturelle Orte kennenzulernen und sich selbst in Beziehung dazu zu stellen.

Ein Gewinn für alle

Die enge Zusammenarbeit mit Pädagog_innen, Schüler_innen und Eltern brachte für beide Seiten bereits neue Erkenntnisse: nicht nur die Schulen profitieren von dem Angebot, auch die Vermittler_innen lernen so die Bedürfnisse und Abläufe an den Schulen viel besser kennen. Hat das zu Veränderungen in der Planung von Vermittlungsangeboten geführt? Es gibt mittlerweile einen Lehrer_innen-Beirat, der bei der Entwicklung unterstützend und beratend dabei ist. Auch der freie Zugang zu den Programmen soll im erweiterten Haus ermöglicht werden: das Programm „Das Wien Museum geht in die Schule“ ist für Schulen gratis, das ist auch ein Ziel für die Zukunft. Ein Wunsch wäre es, die teilnehmenden Schulen ins Museum zu holen und einen Besuch für alle zu ermöglichen. Über eine Einbindung des Projekts in die Dauerausstellung wird nachgedacht. Ebenso darüber, wie community Projekte zukünftig in den Ausstellungen präsent sein können.

Fazit

Das Projekt zeigt, dass es sich lohnt, neue Wege in der Vermittlung zu gehen. Bisher gibt es nur wenige vergleichbare Beispiele (zB Outreach-Programm on.tour des jüdischen Museums Berlin), an denen Museen sich orientieren können. Grundlegend sind die Einbindung von Pädagog_innen in die Enwicklung und Unterstützung in finanzieller und organisatorischer Hinsicht. Damit ist es möglich, Schulen zu erreichen, für die der Besuch in einem Museum sonst nicht an erster Stelle steht. Und der Erfolg gibt ihnen recht: bis 2021 sind bereits alle Plätze ausgebucht!

Links

www.wienmuseum.at

wienmuseumgehtindieschule.at

Wien Museum im MUSA

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Forum Kultur Vermittlung wurde 2017 als monatlicher Stammtisch von und für Kulturvermittler_innen im Künstlerhaus 1050 gegründet. 2019 gehen wir neue Wege: ab sofort besuchen wir einmal im Monat eine Kultureinrichtung in Wien, um vor Ort das Vermittlungsprogramm kennenzulernen und einen Blick hinter die Kulissen zu bekommen. Wir wollen damit den Austausch untereinander fördern und die großartige Arbeit unterstützen, die in der Kunstvermittlung und der Kulturvermittlung geleistet wird.

Die aktuellen Termine gibt es auf forumkulturvermittlung.at/termine

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