Mit Baby ins Museum

Ein Museumsbesuch mit einem Baby kann ein wunderbares und unvergessliches Erlebnis für alle Beteiligten sein. Egal ob ein Kindermuseum das Ziel ist oder ein „klassisches“ Ausstellungshaus – wir sprechen hier aus persönlicher Erfahrung. Damit alle mit einem Strahlen im Gesicht das Gebäude verlassen, sollten sich die Erwachsenen vorab gut über die Infrastruktur des anvisierten Museums informieren. Die Museen auf der anderen Seite müssen sich bewusst auf die Zielgruppe Baby vorbereiten und entsprechende Maßnahmen treffen, damit deren Bedürfnisse erfüllt werden.

Kulturvermittlung für die Minis

Grundsätzlich haben Museumshungrige mit Baby mehrere Möglichkeiten ein Museum zu besuchen:

  • Der Besuch eines Kindermuseums
  • Mit dem Kind ein spezielles Vermittlungsangebot in einem „klassischen“ Museum wahrnehmen, das an Begleitpersonen und Babys adressiert ist.
  • Mit Baby im Arm ins Museum – einfach so, ohne Begleitung durch die Kulturvermittlung.

Kindermuseum

Im Kindermuseum stehen die Kinder und ihre Bedürfnisse im Zentrum. Kulturelle Bildung wird hier über interaktive Erlebnisse und soziale Interaktionen geschaffen. Die Infrastruktur ist auf die jungen Besuchenden ausgerichtet und entsprechend gestaltet. Viele Kindermuseen bieten auch Räume für Babys an. So z.B. das Zoom Kindermuseum in Wien, das Boston Children Museum oder das V&A Musem of Childhood. In diesen Erlebnisräumen können die Babys mit ihren Begleitpersonen Neues entdecken und dabei Fertigkeiten anwenden und erweitern. Kindermuseen sind somit auch soziale Orte: die Babys erleben alles mit ihren Eltern bzw. Begleitpersonen und treffen auf andere Kinder und deren soziale Gruppen. Ein Kindermuseum ist damit in mehrfacher Hinsicht eine „contact zone“, die zur Partizipation einlädt (Schirach/Rinklebe, 2018).

Babyraum im Spielzeugmuseum Salzburg, Oktober 2021

Führung für Erwachsene mit Baby

Vor allem Kunstmuseen bieten spezielle Führungen für Menschen mit Babys an. Bei diesen Führungen wird dafür geworben, dass die Bedürfnisse der Babys und ihrer Begleitpersonen im Vordergrund stehen: es gibt Stillmöglichkeiten (mal einladender mal weniger), Wickeltische, Flaschenwärmer und die Möglichkeit Kinderwägen mitzunehmen. (Vieles sind Faktoren, die eigentlich in einem besucher*innenorientieren Museum ohnehin erfüllt sein sollten.)

Belvedere 21, September 2021
Belvedere 21, September 2021

Während dem Rundgang werden die Babys bei manchen Formaten inhaltlich miteinbezogen und aktiv angesprochen (soweit es das Alter erlaubt). Die Kunstvermittler*innen können den Kleinen z.B. zur Ausstellung passende Objekte zum Entdecken anbieten (etwa eine Wolke aus Stoff, ein Knisterpolster oder ein Holzwürfel). So können die jüngsten Besuchenden verschiedene Materialen und Farben kennenlernen. Auch Geräusche sind sehr beliebt.
Andere Museen wiederum bieten während der Führung einen sicheren Spielbereich für die Kleinen in der Ausstellung an (z.B. Bank Austria Kunstforum). Von dieser Homebase aus entdecken dann auch die Erwachsenen die Exponate.

Manche Babyführungen fokussieren jedoch ausschließlich auf die Erwachsenen. Das ist schade, denn Kulturvermittlung kann schon in jungen Monaten wirken. Zudem wird vielen Babys ohne Beschäftigung sehr schnell langweilig und sie fangen zum Quengeln an.

Ein großer Vorteil, den alle Babyführungen gegenüber „normalen“ Vermittlungsprogrammen haben: der soziale Aspekt ist ein vordergründiger. Babys und Begleitpersonen erleben das Museum gemeinsam und es kann zu spannenden Interaktionen mit anderen Personen und Babys kommen. Zudem haben alle Beteiligten Verständnis für die Bedürfnisse der Kleinsten.

Belvedere 21, September 2021

Alleine ins Museum

Mit dem Baby unterm Arm ins Museum – das funktioniert v.a. mit sehr kleinen Babys, die fast die ganze Zeit schlafen. Am besten tun sie das in einer Trage, dann kann sich die erwachsene Person relativ frei im Museum bewegen, denn für Kinderwägen sind nicht alle Museum (v.a. jene unter Denkmalschutz) ausgerichtet. Viele Museen, v.a. Science Center, bieten auch spezielle Bereiche für Babys und Krabbelkinder an: hier können sie in einem geschützten Raum am Boden tollen und neues entdecken (z.B. M/S Museet for Søfart – Maritime Museum of Denmark)

M/S Museet for Søfart – Maritime Museum of Denmark

Spezielle Bedürfnisse

Eltern mit Babys haben ganz besondere Bedürfnisse (wir beziehen uns hier auf Babys bis 12 Monate, auch wenn vieles noch für Kleinkinder bis 36 Monate gültig ist). Diese Bedürfnisse müssen auch im Museum erfüllt werden, damit der Ausflug zu einem unvergesslichen Erlebnis wird:

  • Spezielle Angebote für die entsprechende Altersgruppe
  • Zugänglichkeit und Verfügbarkeit von Angeboten und Installationen
  • Geschützter Platz für Kinderwägen
  • Sichere Wickelmöglichkeiten
  • Einladender Ort zum Stillen
  • Konsumfreier Raum für Pause / Essen

Zudem gibt es einige Faktoren, welche die Qualität des Besuches stark beeinflussen:

  • Angenehmes Raumklima (Lärmpegel, Temperatur)
  • Freundlichkeit des Personals
  • Gutes Leitsystem
Spielzeugmuseum Salzburg, Oktober 2021

Grundsätzlich sollten im Museum für die jeweilige Altersgruppe entwickelte Formate angeboten werden: Erlebnisräume, Ausstellungen, Führungen, Aktivprogramme. Die Installationen und Ausstellungsstücke müssen zugänglich sein (intellektuell als auch physisch). Das umfasst neben der inhaltlichen Objektauswahl die Positionierung in Interaktionshöhe für die jungen Besuchenden und eine entsprechende Kontextualisierung. Die Zugänglichkeit umfasst weiters ein gutes Leitsystem, Parkplätze für die Kinderwägen und sichere Wickeltische für die Babys.

Wichtig ist ebenfalls, dass die Räumlichkeiten während der gesamten Öffnungszeiten zur Verfügung stehen. Die Schließung wegen Vermietung oder Aufräumarbeiten kann bei den Besucher*innen schnell zu Enttäuschungen führen die Wahrhaftigkeit des Museums in Zweifel ziehen lassen (wie von uns erlebt). Die Programme sollten zeitnah buchbar und einfach stornierbar sein, denn Flexibilität ist bei der Zeitplanung mit einem Baby essentiell.

Ein weiterer wesentlicher Wohlfühlfaktor ist die Lautstärke in den Räumen. Kinder können sich sehr lautstark äußern, weshalb gute Schallschutzmaßnahmen besonders in hallenartigen und hohen Räumen notwendig sind. Ein Museum haben wir wegen des für uns unerträglichen Schalls verlassen.

Eine große Bedeutung kommt auch einer konsumfreien Zone zu, in der Besuchende eine kurze Pause machen und/oder eine mitgebrachte Jause zu sich nehmen können (soweit es die Corona Maßnahmen erlauben). Hochstühle und Flaschenwärmer sind hier Teil der Ausstattung. Nicht alle können oder möchten sich die Konsumation im Kaffeehaus leisten.

Ganz essentiell ist neben der materiellen Ausstattung und den inhaltlichen Angeboten die Einstellung des Personals. Ein freundlicher und hilfsbereiter Empfang, eine positive und kompetente Vermittlungsfachkraft und freundliche Aufsichten machen 50% des Erlebnisses aus. Wir trafen bei einem Museumsbesuch auf einen Kassamitarbeiter, der uns 45 Min. vor Schließzeit mit genervtem Ton auf ebendiese hingewiesen hat und von einem Besuch abgeraten hat. Dieser Empfang setzte die emotionalen Weichen für den (trotzdem folgenden) Museumsbesuch. Auch eine Kunstvermittlerin, die nach Führungsende (leider etwas zu laut) zur Kollegin meinte „Kinder machen mich immer so nervös“, hinterließ bei uns einmal einen schalen Nachklang.

Fazit

Ein Museumsbesuch mit Baby kann ein tolles Erlebnis werden! Es braucht auf Besucher*innenseite nur etwas mehr Planung und Recherche als bei einem babylosen Besuch und beim Museum das Comitment und das Eingehen auf diese Zielgruppe.

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