Deep Space & Geo City

Ein Ausflug ins Ars Electronica Center

„Kannst dich erinnern, als ich damals mit den Kindern im Museum war und sie haben eine Vitrine nur leicht berührt, da kam sofort ein Wächter. Und heute locken die Museen die Kinder mit einem Streichelzoo. Es hat sich viel geändert.“. [Neulich, im Zug von Linz nach Wien.]

Es stimmt, es hat sich viel geändert. Vor allem gibt es in Ausstellungshäusern und Museen keine Wärter, sondern freundliche und kompetente Aufseher_innen oder Infotrainer_inner wie in der Ars Electronica, der Institution des heutigen Beitrags.  Auch einen Streichelzoo wird man in Kulturinstitutionen vergeblich suchen. Dafür gibt es immer mehr interaktive Stationen, die zum Mitmachen auffordern. Das Ars Electronica Center in Linz versammelt mit großer Wahrscheinlichkeit die meisten interaktiven Stationen in Österreich unter einem Dach. Dazu gibt es einen Deep Space, der in fremde Welten entführt, und vielfältige Mixed Reality Erlebnisse. Ein wahres (interaktives) Paradies für alle Altersstufen.

AEC_Holoman (1)

Deep Space

Der Deep Space im Ars Electronica Center ist ein einzigartiges 3D Tor in vergangene, weit entfernte, menschliche oder künstlerische Welten. Zwei Projektionsflächen zu jeweils 16 x 9 Meter (eine an der Wand, eine am Boden), Lasertacking und acht Beamer mit einer Auflösung von 8K (8000 Pixel) machen das möglich. 8K ist zurzeit ist höchstmögliche Auflösung. Im Vergleich: Standard bei Monitoren für den Hausgebrauch sind 2 bzw. 4 K, wobei sich mittlerweile 4K langsam durchsetzt (derStandard 2018).  Den ganzen Tag findet im Deep Space ein abwechslungsreiches Programm statt: Familienprogramme, Best-of Zusammenstellungen und Themenvorführungen. Der Andrang war bei uns zum Glück – trotz Regenwetters – nicht zu groß und wir konnten gleich die kommende „Best-of Deep Space“ Vorstellung besuchen.

Das Schöne an der Vorführung ist, dass ein_e Mitarbeiter_in bzw. Infotrainer_in  durch das Erlebnis im Deep Space führt und Erklärungen zu den Beiträgen einspricht. Diese sind in einem sehr angenehmen Tonfall und der richtigen Lautstärke formuliert. Gestartet wird das Best-of Deep Space mit einem aktuellen Werk der Medienkunst. Das gefällt dem Kunsthistorikerherz. Darauf folgt eine kurze Einführung zur Geschichte und der Hard- und Software des Deep Space. Die wesentlichen Fakten werden dabei auch für Technikfremde gut dargelegt, es gibt keine Fachausdrücke oder sonstige unverständliche Ausführungen.

Der erste lange Beitrag ist eine Zeitreise ins antike Rom. Die Dokumentation zeigt das antike Rom in 3D, überlappend mit aktuellen Bildern: die Besucher_innen fliegen vom Pantheon, das die Jahrtausende verbindet, durch Aquädukte, die noch heute Wasser für den Trevi Brunnen liefern, über Straßen und Wohnhäuser quer durch die Stadt. Die antiken Stadtansichten basieren auf Laserscannungen bzw. -vermessungen der Überreste des antiken Rom. Der Film ist einerseits ein imposanter Einblick in die Struktur der 1,2 Millionen Metropole des römischen Reiches. Andererseits zeigt der Ausschnitt, wie Archäologie heute mit neuer Lasertechnik antike Mauerfunde und archäologische Objekte vermessen und in weiterer Folge wieder zum Leben erwecken kann.

Ein weiteres Highlight war die Reise ins Weltall. Der Deep Space entführt die Besucher_innen von unserem Sonnensystem und seinen Planeten hin zu entfernten Galaxien. Erhellend ist die dreidimensionale Aufgliederung unserer Sternbilder und der Planeten- und Mondbahnen. Das Besondere an der Fahrt: hier wird live gereist. D.h. es läuft kein vorgefertigter Film, sondern der Guide entscheidet mittels Steuerung wohin die Reise gehen soll. Die Computer berechnen die Daten in Echtzeit. Das gibt es sonst nur in ausgewählten digitalen Planetarien.

Sehr interessant ist auch der Ausflug in den virtuellen Anatomiesaal (dieser war beim „Best-of Deep Space“ leider nicht dabei). Der Beitrag entführt in den menschlichen Körper: Knochen, Muskeln, Herzkreislauf u.v.m. können einzeln und im Kontext studiert und durchwandert werden. Die Möglichkeiten, die solch ein System für die Ausbildung und Wissenschaft bietet, sind offensichtlich.

Der Deep Space zeigt sehr gut die Verbindung von Kunst, Technologie und Gesellschaft, die von der Ars Electronica verfolgt und gefördert wird. Ein anderer spannender Bereich, der v.a. die Felder Technologie und Gesellschaft verbindet, ist GeoCity im Untergeschoß.

GeoCity

AEC_GeoPulseLinz

In der GeoCity können Besucher_innen selbstständig Linz und andere Städte auf der Welt mit einem elektronischen Stift erkunden. Mit dem Stift werden Simulations- und Visualisierungswerkzeuge gesteuert. So können jene Informationen zur Darstellung ausgewählt werden, die sie persönlich interessieren.

Bevor es losgehen kann, gibt es eine Erklärung eine_r freundlichen Infotrainer_in: sie/er erklärt die Handhabung des Stiftes und zeigt an einzelnen Stationen die Auswahl- und Navigationsmöglichkeiten vor. Trotz Einschulung war die Bedienung für uns manchmal nicht ganz klar. Aber mit etwas Geduld – und weiterer Assistenz des Personals –  fanden wir uns schließlich zurecht.

Unsere zeitliche und örtliche Reise durch das Linz der verschiedenen Jahrhunderte zeigte uns auf mehreren Ebenen die Entwicklung der Stadt auf: Straßenkarten, soziale Karten, demographische Fakten und vieles mehr können über den Stadtplan von Linz und Informationsmappen mit dem Stift aufgerufen werden und in ihrer zeitlichen Entwicklung betrachtet werden.

AEC_Stift

Bei anderen Terminals bleibt die Interaktion leider auf die reine Auswahlmöglichkeit seitens der Nutzer_innen beschränkt: mittels der Eingabe über den Stift werden bestimmte Informationen ausgewählt und auf Displays angezeigt. Die Informationen bleiben dabei starr und unveränderlich und gleichen eher einer Buchseite.

Augmented Reality 

Besonders spannend für alle Besucher_innen ist die Möglichkeit, im VRLab mit Infotrainer_innen in eine Augmented Reality (Erweiterte Realität >> die Wahrnehmung der Außenwelt wird computergestützt ergänzt) und Virtual Realität (virtuelle Realität >> die Außenwelt spielt keine Rolle) einzusteigen. Wir konnten z.B. mit der Microsoft Hololens Objekte im Ausstellungsraum finden, verschieben und verschwinden lassen. Das VRLab dokumentiert anschaulich die Entwicklung der technischen Geräte und der Software auf. Die Infotrainer erklären die Handhabung der Geräte sehr genau und erzählen gerne noch mehr Details. Sehr erfreulich war dabei auch, dass die Betreuung auch in Englisch super funktioniert hat.

Retina Portrait

Abschließend ließen wir uns nach einem Ausflug ins BrainLab als Erinnerung ein Foto unserer Retina machen. Das Abbild kann an einem Terminal durch Eingabe der eigenen E-Mail-Adresse zugstellt werden. Das Erlebnis Ars Electronica Center wird damit über den physischen Besuch hinaus verlängert.

AEC_Retina (2)

 

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