Maria Nostra

Beitrag zur Blogparade
„Europa und das Meer – Was bedeutet mir das Meer?“ 
#DHMMeer 

Das Meer ist integraler Bestandteil für die kulturelle, politische und zwischenmenschliche Entwicklung Europas. Viele Städte und Regionen haben einen direkten Zugang zu einem der vielen Meere, die Europa einfassen: Europäisches Mittelmeer, Europäisches Nordmeer, Ostsee, Nordsee, weitere Teile des Atlantischen Ozeans oder das Schwarze Meer. Für andere Länder ist der Zugang über Flüsse und Handelsbeziehungen gegeben. So vielfältig die Meere Europas und deren Charaktere sind, so vielfältig ist die Darstellung des Meeres in Kunst und Kultur und so zahlreich sind die Bildungsinstitutionen, die sich mit dem Meer auseinandersetzen.

Meer Beziehungen

In den großen Werken der Kunst- und Kulturgeschichte ist das Meer seit jeher ein zentrales Motiv und begleitet viele von uns seit der Kindheit: Jules Vernes „20000 Meilen unter den Meer“ regt zu phantastischen Träumen an, Kapitän Ahabs Jagd auf den weißen Pottwal Moby fesselt Jugendliche in vielen Ländern. Beeindruckend für alle Altersstufen ist der unendlich weite einsame Meereshorizont in Caspar David Friedrichs „Der Mönch am Meer“ (1808-10, Alte Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin), fast erdrückend hingegen die unbändige Kraft des Meers in Friedrichs „Das Eismeer (1823/24, Hamburger Kunsthalle). Auch in Fotografie und Film ist das Meer immer wieder Haupt- und Nebendarsteller, wie z.B. in „Das Meer in mir“, 2004 (Originaltitel: „Mar Adentro“), dem mehrfach preisgekrönten Film von Alejandro Amenábar.

Eng verwoben mit diesen und anderen Darstellungen des Meeres sind die Beziehungen, die mit ihm verbunden sind – politische, ökonomische, amouröse, lebensnotwendige und sehnsuchtsvolle: zwischen Menschen und dem Meer, zwischen Menschen untereinander, von Menschen zu sich selbst oder zu den Lebewesen im Wasser.

Mare Nostrum

Die zentrale Bedeutung des Meeres für die Gesichte Europas und die damit verbundenen Beziehungen zeigt aktuell eine Ausstellung in Österreich: „Byzanz und der Westen – 1000 vergessene Jahre“ auf der Schallaburg (bis 11. November 2018) beschäftigt sich mit dem Meer bzw. mit den Städten um das Mittelmeer. Die Römer nannten das Mittelmeer liebevoll ihr „Mare Nostrum“. Im Hof des Schlosses können Besucher_innen „Meeresklängen“ lauschen – Klänge von einem Gewässer, das verbindet, gemeinsam genutzt wird, aber auch voneinander trennt. In der Ausstellung wird auch auf einen aktuellen Aspekt eingegangen: die Flüchtlingsdebatte, die heute eng mit dem Mittelmeer verbunden ist.

In Österreich gibt es sogar eine Institution, die sich permanent mit Meer und seinen Bewohnern befasst: Das Haus des Meeres in Wien. Für alle, die sich in dem Binnenstaat nach rauschenden Wellen und tropischen Fischen sehnen, kann das Haus des Meeres kurzzeitig Abhilfe schaffen.

Museen und Meer 

Auch wenn die bisher genannten Institutionen die Ausnahme darstellen, findet die Vermittlung des Lebens- und Handelsraumes Meer, seiner Wirkung und Nutzung, vornehmlich in maritimen Museen und Zentren statt. In fast allen größeren Städten, die am Wasser gelegen sind, gibt es solche. z.B.:

Das Estonian Maritime Museum in einem ehemaligen Flugzeughangar in Tallinn beeindruckt mit einem begehbaren U-Boot und vielen interaktiven Stationen. Ein wichtiges Thema ist der nachhaltige Umgang mit dem Lebensraum Meer, der in gut aufbereiteten Stationen kommuniziert wird.

Das Het Scheepvaartmuseum – das niederländische Schifffahrtsmuseum in Amsterdam – zeigt, wie stark die niederländische Kultur durch das Meer geprägt wurde. 500 Jahre Schifffahrtsgeschichte werden in interaktiven Ausstellungen transportiert.

In Genua zieht das Galata Museo del Mare zahlreiche Besucher_innen an. Ein Vermittlungsprogramm für alle Altersstufen gibt Einblick in die Kartographie, das Leben an Bord großer U-Boote und Schiffe u.v.m. Sehr spannend!

Andere Museen setzen das Meer und die Blicke darauf bewusst in ihrer Architektur ein, wie z.B. die Tate St. Ives.

„Visit the iconic Tate St Ives gallery, overlooking the Atlantic Ocean“

Auch im Vermittlungsprogramm des Museums spielt das Meer eine Hautrolle: In Beach Art Explorers entdecken die Teilnehmer_innen den Strand und  schaffen anschließend davon inspiriert eigene Kunstwerke.

Infrastrukturelle und technologische Entwicklungen machen heute manche Infrastrukturen, die einst Voraussetzung für die Nutzung der Meere waren, nicht mehr notwendig. In Amsterdam Nord ist die NDSM Werft– einmal die größte Schiffswerft Europas, seit Beginn der 1980er nicht mehr in Betrieb – am Ufer des Flusses IJ nun ein Ort aktueller Kunst- und Kulturproduktion. Auf dem riesigen Areal gibt es Künstler_innenateliers, Installationen und zahlreiche Ausstellungen und Festivals. Eine Infrastruktur, die einst die Aneignung der Meere ermöglichte, symbolisiert heute (die Sehnsucht nach einem) offenen Raum für Kunst und Kultur, der so inspirierend und vielfältig ist wie die Meere.

Fazit 

Der kurze Abriss zeigt, wie breit und vielschichtiges das Thema Meer in der Kunst und Kultur angelegt ist. Jede_r hat einen anderen Zugang:  geographisch, interessensbezogen, emotional und intellektuell. Die zahlreichen kulturellen Institutionen und Formate, die sich mit dem Meer befassen, spiegeln diese Vielfalt wider. In nachhaltigen und zugänglichen Vermittlungsangeboten bieten Institutionen vielfältige Einstiegs- und Anknüpfungspunkte, um das eigene Wissen anzuwenden, mehr zu erfahren und mit anderen Interessierten über das Meer in Beziehung zu treten.

Talinn_MaritimeMuseum_20171230 (2)_web2

Links

 

3 Kommentare zu „Maria Nostra

  1. Wunderschön – und danke, dass ihr das Verhältnis von europäischen Museen zum Meer herausgeschält habt – ein herrlicher Beitrag zur Blogparade #DHMMeer!

    Es freut mich umso mehr, dass ihr euch über diesen Artikel mit der Blogosphäre verbindet, die sehr unterschiedlich ist – Blogger und Kulturinstitutionen vereint, um eine Idee gemeinsam zu gestalten!

    Dafür ein ganz herzliches Dankeschön! Ihr findet euch institutionell in bester Gesellschaft mit Museum Burg Posterstein, dem Deutschen Uhrenmuseum und Museumsperlen – mittlerweile gibt es schon fantastische 62 vielseitige Beiträge und da passiert noch einiges bis zum 25. Juli!

    Sonnige Grüße

    Tanja von KULTUR – MUSEUM – TALK

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Tanja,

      danke für deine Worte! Es freut uns sehr, dass wir mit dem Beitrag einen weiteren Aspekt zum Thema einbringen konnten. Eine tolle Initiative mit sehr interessanten und v.a. vielseitigen Einreichungen – wir haben schon viel gelernt, gelacht und geträumt und sind gespannt was sich bis 25. Juli noch tut!

      Herzliche Grüße aus Wien
      Isabell

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